Das Drehmoment ist einer der wichtigsten Faktoren beim Anziehen einer Schraube. Aber wenn man anfängt, mit Drehmomentwerkzeuge, werden Ihnen Begriffe wie „Einstelldrehmoment“ und „Vollskalendrehmoment“ begegnen. Auf den ersten Blick mögen sie gleich erscheinen, sind es aber nicht. Also: Einstelldrehmoment vs. Vollskalendrehmoment – was ist der Unterschied? Sie wissen es nicht? Keine Sorge! In diesem Leitfaden werde ich beide Begriffe direkt miteinander vergleichen. Also legen wir los.
Einstelldrehmoment vs. Vollskalendrehmoment: Die wichtigsten Unterschiede
Sowohl das Einstelldrehmoment als auch das Vollskalendrehmoment beziehen sich auf das Drehmoment. Sie beantworten jedoch unterschiedliche Fragen und dienen unterschiedlichen Zwecken. Was unterscheidet sie also wirklich voneinander? Sehen wir uns die Unterschiede im Folgenden an.
1. Drehmomentwert und Drehmomentgrenze
Der erste Unterschied zwischen Soll- und Enddrehmoment besteht darin, welche Informationen sie jeweils liefern. Das Einstelldrehmoment ist im Grunde der Drehmomentwert, den Sie bei einer bestimmten Anzieharbeit erreichen möchten. Wenn beispielsweise eine Schraube auf 50 N·m angezogen werden soll, dann sind 50 N·m das Einstelldrehmoment. Es gibt Ihnen einen klaren Anhaltspunkt dafür, wann Sie mit dem Anziehen aufhören müssen.
Umgekehrt ist das Vollskalendrehmoment die maximale Obergrenze des Messbereichs des Drehmomentmessgeräts. Wenn ein Drehmomentsensor ein Vollskalendrehmoment von 100 N·m hat, bedeutet dies, dass er Drehmomente bis zu 100 N·m messen kann. Das bedeutet nicht, dass Sie jedes Mal 100 N·m aufbringen müssen. Sie können mit demselben Sensor weiterhin 30, 50 oder 80 N·m messen, jedoch nicht mehr als 100 N·m.
2. Hauptzweck und Anpassung
Vollskalenwert und eingestelltes Drehmoment dienen ebenfalls unterschiedlichen Zwecken. Das eingestellte Drehmoment bestimmt beispielsweise das Ergebnis des Anziehvorgangs. Man wählt einen bestimmten Drehmomentwert, weil die Schraube genau dieses Drehmoment benötigt. Wenn eine Schraube beispielsweise auf 40 N·m angezogen werden muss, stellt man das Werkzeug auf 40 N·m ein. Diesen eingestellten Drehmomentwert kann man ändern, wenn man zur nächsten Schraube wechselt. So lässt sich das eingestellte Drehmoment an die jeweilige Aufgabe anpassen.
Im Gegensatz dazu bezeichnet das Vollskalendrehmoment den maximalen Messbereich des Drehmomentmessgeräts. Wenn ein Werkzeug ein Vollskalendrehmoment von 100 N·m aufweist, ist dieser Bereich der maximale Messbereich. Dieser Wert lässt sich nicht einfach durch Drehen eines Einstellrads ändern. Wenn Sie einen Drehmomentbereich messen müssen, der deutlich über oder unter dem Skalenendwert des Geräts liegt, benötigen Sie ein anderes Messgerät.
3. Betriebsbereich und maximale Kapazität
Das eingestellte Drehmoment ist Teil des Arbeitsbereichs. Es handelt sich um den Wert, den Sie für den jeweiligen Arbeitsvorgang wählen. Wenn Ihre Schraube beispielsweise 40 N·m erfordert, können Sie das Werkzeug auf 40 N·m einstellen. Wenn der nächste Arbeitsschritt 60 N·m erfordert, können Sie die Einstellung auf 60 N·m ändern. Das eingestellte Drehmoment kann also je nach Art der Arbeit nach oben oder unten angepasst werden. Das Vollskalendrehmoment stellt hingegen die Obergrenze des Messbereichs dar. Hat ein Drehmomentsensor beispielsweise ein Vollskalendrehmoment von 100 N·m, reicht sein angegebener Messbereich bis zu 100 N·m. Sie können zwar auch niedrigere Werte messen, aber 100 N·m ist der höchste Wert in diesem Bereich.
4. Vorspannung der Schrauben und Kontrollstufe beim Anziehen
Wenn Sie eine Schraube anziehen, geht es nicht darum, sie so fest wie möglich anzuziehen. Stattdessen müssen Sie die richtige Vorspannkraft erzeugen. Die Vorspannkraft ist die Klemmkraft, die die Teile oder Schrauben zusammenhält. Betrachtet man also das maximale Drehmoment, sagt dies nichts darüber aus, wie fest die Schraube angezogen werden muss. Es definiert lediglich die Obergrenze des Drehmomentbereichs, für den das Messgerät ausgelegt ist. Das eingestellte Drehmoment ist in dieser Hinsicht jedoch viel praktischer. Es hilft Ihnen dabei, einen bestimmten Drehmomentwert für die Schraube auszuwählen. Beträgt das erforderliche Anzugsdrehmoment beispielsweise 50 N·m, stellen Sie das Werkzeug auf diesen Wert ein und verwenden ihn als Zielwert.
5. Genauigkeit und Sicherheitsgrenze
Nun geht es um die Genauigkeit, bei der sich das eingestellte Drehmoment und das Vollskalendrehmoment unterscheiden. Tatsächlich gibt das eingestellte Drehmoment die angestrebte Genauigkeit an. Es beschreibt das exakte Drehmoment, das Sie erreichen möchten. Sie stellen das Werkzeug auf 50 N·m ein, da dies der für die Schraube erforderliche Wert ist. Je näher das Werkzeug an 50 N·m herankommt, desto näher sind Sie am erforderlichen Anzugswert.
Sobald Sie 50 N·m erreichen, haben Sie einen genauen Drehmomentwert für die Schraube. Umgekehrt bezieht sich das Vollskalendrehmoment auf die Messgrenze des Sensors. Seine Genauigkeitsangaben werden als Prozentsatz des Vollskalenwerts angegeben. Wenn der Drehmomentsensor beispielsweise ein Skalenenddrehmoment von 120 N·m hat, bedeutet dies, dass Sie diesen Wert nicht überschreiten sollten. Dies ist zugleich seine Sicherheitsgrenze und sein Genauigkeitsgrad.
6. Spannkraft und Arbeitspunkt
Wenn Sie eine Schraube festziehen, erzeugt das von Ihnen aufgebrachte Drehmoment eine Klemmkraft. Diese Kraft ist es, die die verbundenen Teile zusammenzieht. Das volle Drehmoment bestimmt nicht die Klemmkraft. Es gibt lediglich den höchsten Drehmomentwert innerhalb des vom Sensor angegebenen Messbereichs an. Wenn der Drehmomentsensor für ein Drehmoment von 90 N·m ausgelegt ist, können Sie Anzugsvorgänge mit 50 N·m, 30 N·m oder 40 N·m messen.
Der Wert von 90 N·m bedeutet jedoch nicht, dass auf die Schraube eine Klemmkraft von 90 N·m wirkt. Das eingestellte Drehmoment ist vielmehr der Arbeitspunkt, den Sie für den Anziehevorgang wählen. Beträgt das erforderliche Drehmoment 50 N·m, können Sie das Werkzeug auf 50 N·m einstellen. Wenn Sie den Wert des eingestellten Drehmoments ändern, ändert sich auch die Klemmkraft.
7. Kompatibilität von Befestigungselementen und Drehmomentregelung
Unterschiedliche Schrauben und Befestigungselemente erfordern unterschiedliche Drehmomentwerte. Deshalb hilft Ihnen das eingestellte Drehmoment dabei, die Anzugskraft an das Befestigungselement anzupassen. Wenn der Hersteller beispielsweise angibt, dass eine Schraube mit 40 N·m angezogen werden soll, können Sie das Werkzeug auf 40 N·m einstellen. So verhindern Sie ein zu festes oder zu lockeres Anziehen. Das volle Drehmoment gibt jedoch keinen Aufschluss darüber, welches Befestigungselement Sie verwenden sollten oder wie fest Sie es anziehen müssen. Es gibt lediglich den Maximalwert innerhalb des vom Sensor angegebenen Messbereichs an.
8. Anwendungsbereich und typische Anwendungsfälle
Schließlich zeigt sich im Anwendungsbereich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Drehmomenten. Beim Vollbereichsdrehmoment geht es eher um die Art und den Umfang der Aufgaben, die ein Messgerät bewältigen kann. Ein Sensor mit einem Vollbereichsdrehmoment von 100 N·m eignet sich für Aufgaben, bei denen Drehmomentmessungen innerhalb dieses festgelegten Bereichs erforderlich sind.
Wenn Ihre Anwendung regelmäßig 150 N·m benötigt, ist dieser 100-N·m-Sensor nicht die richtige Wahl. Ein festes Drehmoment ist jedoch praktisch, wenn Sie bereits wissen, wie viel Drehmoment eine bestimmte Schraube benötigt. Sie können den Wert je nach Anwendung anpassen. Wählen Sie einfach das voreingestellte Drehmoment, das zu Ihrer Schraubaufgabe passt. Das Gerät eignet sich für viele verschiedene Schraubanwendungen.
Fazit: Einstelldrehmoment vs. Vollskalendrehmoment
Kurz gesagt: Das eingestellte Drehmoment und das Vollskalendrehmoment sind nicht identisch. Das eingestellte Drehmoment wählen Sie für die jeweilige Aufgabe aus, wenn Sie eine Schraube auf diesen Wert anziehen müssen. Das Skalenenddrehmoment ist der höchste Wert im Messbereich des Drehmomentmessgeräts. Einfach ausgedrückt: Das eingestellte Drehmoment gibt an, welchen Wert Sie verwenden möchten. Das Skalenenddrehmoment gibt hingegen an, wie viel Drehmoment das Gerät messen kann.
